Logische Form

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In der Aussagenlogik bezeichnet die Logische Form (LF) eines Satzes die wahrheitsfunktionalen Eigenschaften dieses Satzes.

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Demgegenüber bezeichnet die LF in der GG eine syntaktisch orientierte Repräsentationsebene, die seit der REST und der Rektions-Bindungs-Theorie kontrovers diskutiert wird (vgl. Berman & Hestvik (1991)).

Die LF soll die syntaktisch-logischen Informationen bereitstellen, welche für die semantische Interpretation (Interpretative Semantik) erforderlich sind.

Die Ableitung der LF aus der als S-Struktur bezeichneten Oberflächenstruktur geschieht, ebenso wie die Ableitung der S-Struktur aus einer dieser zugrunde liegenden, als D-Struktur bezeichneten Tiefenstruktur, durch die Operation Move α.

Während allerdings bei Anwendung von Move α auf die D-Struktur die phonologische Abfolge von Konstituenten betroffen ist, gilt dies für die Anwendung von Move α auf die S-Struktur nicht.

In den betreffenden Modellen (REST, Rektions-Bindungs-Theorie, Barrieren-Theorie) wird dies dadurch gewährleistet, dass die phonologische Interpretation auf eine S-Struktur genannte Oberflächenstruktur angewendet wird, die semantische Interpretation hingegen auf die LF-Struktur, vgl. Abb. 1:



Abb. 1:



Dies ermöglicht, im Unterschied zum Minimalismus, in dessen Rahmen die Unterscheidung zwischen D- und S-Struktur und zwischen S-Struktur und LF aufgegeben wird, eine mittels Ableitungsebenen repräsentierte Differenzierung von syntaktisch-semantischen Beziehungen.

Insbesondere handelt es sich hierbei um solche syntaktisch-semantischen Beziehungen, welche abhängig sind von syntaktisch-strukturellen Faktoren und solche, welche abhängig sind von der lexikalischen Bedeutung syntaktischer Grundeinheiten wie vor allem Quantoren und w-Wörter (Fragewörter wie wer, was usw.).

Mit Hilfe der Ableitungsebenen S-Struktur und LF können somit beispielsweise Skopus-Ambiguitäten von syntaktisch-strukturellen Ambiguitäten differenziert werden (Ambiguität), und zwar auf der Basis von Prinzipien (insbesondere Beschränkungen), die in anderen Bereichen der Syntax unabhängig motiviert werden können.

Eine wesentliche Regel, die der Ableitung der LF aus der S-Struktur zugeschrieben wird, ist die Quantoren-Anhebung (Quantifier-Raising), die eine Struktur [a ... Q ...] in die Struktur [Qi [a ... ti...]] transformiert, wobei ti die Spur des Quantors Q ist und Q von seiner basisgenerierten Position in eine adjungierte Position (Adjunktion) gehoben wird; je nach Basis-Position des Quantors spricht man hierbei von Subjekt- oder Objekt-Anhebung. Quantoren-Anhebung erfasst den Skopus von Quantoren mit dem unabhängig postulierten Prinzip des C-Kommandos (das gleichermaßen für alle Strukturebenen gilt): ´ Ein Quantor hat dann und nur dann Skopus über eine Konstituente X, wenn er X in LF c-kommandiert.

Schreibt man z. B. dem Satz Eine Frau verlässt jeden Mann. vereinfacht die S-Struktur

[S [DP eine Frau] [VP [V verlässt [DP jeden Mann]]]]

zu, so können mittels unterschiedlicher Abfolgen von Quantoren-Anhebungen (zunächst Subjekt-Anhebung von eine Frau, dann Objekt-Anhebung von jeden Mann, bzw. umgekehrt) zwei verschiedene LF-Repräsentationen erzeugt werden, welche die Basis zweier möglicher semantischer Interpretationen repräsentieren (1. Interpretation: Es gibt eine Frau, die jeden Mann verlässt.; 2. Interpretation: Für jeden Mann gilt, dass ihn eine Frau verlässt.), in vereinfachter Notation:

1. LF: [S [DP eine Frau]1 [S[DP jeden Mann]2[S[DP t]1[VP [V verlässt [DP t]2]]]]];

2. LF: [S [DP jeden Mann]2 [S[DP eine Frau]1[S[DP t]1[VP [V verlässt [DP t]2]]]]].

Link

Logische Form in Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik

Literatur

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Andere Sprachen

Englisch Logical Form