Akzeptabilität

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Die Akzeptabilität einer sprachlichen Äußerung betrifft ihre durch einen kundigen Sprecher beurteilbare Annehmbarkeit in der Sprachverwendung.

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Die Kriterien für die Akzeptabilität sprachlicher Äußerungen müssen nicht notwendig mit den von einem Grammatik-Modell formulierten Kriterien für die Grammatikalität sprachlicher Einheiten übereinstimmen.

So kann einerseits eine von einem Grammatik-Modell als grammatisch ausgewiesene sprachliche Einheit in der Sprachverwendung (mehr oder weniger) inakzeptabel sein, wie dies z. B. bei stilistischen Abweichungen mit einer Vielzahl von Wortwiederholungen oder mit zahlreichen Einbettungen der Fall sein kann, vgl. z. B. einen Satz wie

   Die, die die, die die Lexikonartikel, die für Laien gedacht sind, schreiben, kritisieren, werden nie kritisiert.,

dessen Äußerung in den meisten Kontexten inakzeptabel (weil als selbsteinbettende Konstruktion relativ unverständlich, vgl. eingeschachtelte Konstruktion) sein dürfte.

Andererseits können auch durch ein Grammatik-Modell als ungrammatisch ausgewiesene sprachliche Einheiten in der Sprachverwendung (mehr oder weniger) akzeptabel sein, z. B. bei anaphorischen Bezügen wie in

   Eva ist ein Mädchen, die sich ständig ihren Kopf kratzt.

Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Akzeptabilität bzw. Grammatikalität sprachlicher Äußerungen zunehmend als gradierte Größe (Gradienz) und im Rahmen der Optimalitätstheorie diskutiert. In der Linguistischen Datenverarbeitung werden unter dem Begriff Robust Parsing Modelle zur automatischen Analyse inakzeptabler bzw. ungrammatischer sprachlicher Vorkommnisse entwickelt (vgl. Carroll 1996; Core 1999).

Link

Akzeptabilität in Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik

Literatur

  • A. Adli, Grammatische Variation und Sozialstruktur. Berlin [Studia Grammatica 58] 2004.
  • J. Carroll (Hg.), Proceedings of the Workshop on Robust Parsing. Prague 1996.
  • M. G. Core, Dialog Parsing: From Speech Repairs to Speech Acts. Diss. Univ. of Rochester 1999.
  • E. Coseriu, Sprachkompetenz. Tübingen 1988.
  • W. Cowart, Experimental Syntax: Applying Objective Methods to Sentence Judgments. Thousands Oaks, CA 1997.
  • G. Erbach, Towards a Theory of Degrees of Grammaticality. CLAUS Report 34, Saarland Univ. 1993.
  • G. Fanselow, Fakten, Fakten, Fakten! Potsdam 2005.
  • G. Fanselow et al. (Hg.), Gradience in Grammar. Oxford 2004.
  • S. Greenbaum (Hg.), Acceptability in Language. Den Haag 1977.
  • M. B. Kac, Grammars and Grammaticality. Amsterdam 1992.
  • F. Keller, Gradience in Grammar. Diss. Univ. of Edinburgh 2000.
  • G. Müller & W. Sternefeld (Hg.), Competition in Syntax. Berlin 2001.
  • M. Reis & S. Kepser (Hg.), Evidence in Linguistics: Empirical, Theoretical, and Computational Perspectives. Berlin 2005.
  • C. T. Schütze, The Empirical Base of Linguistics: Grammaticality Judgments and Linguistic Methodology. Chicago 1996.
  • A. Sorace & F. Keller, Gradience in Linguistic Data. Lingua 2005/115/11, 1497-1524.

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