Fidschi

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Das Fidschi zählt zur ozeanischen Sprache, einer Unterfamilie der austronesischen Sprachen. Dabei handelt es sich um einen Sprachstamm mit mehreren hundert Sprachen von Madagaskar über Südostasien und Indonesien bis zu den pazifischen Inseln einschließlich den Osterinseln. Es gibt eine Standard- Fidschi- Sprache mit einer eigenen Grammatik, die vorwiegend in Schulen, Zeitungen und Büchern sowie Radioprogrammen verwendet wird. Circa 340.000 Menschen sprechen das Fidschi als Muttersprache. Die folgenden Beispiele sind aus dem Dialekt von Boumaa entnommen. Die Daten stammen von R. Dixon 1988. Heute sprechen nur noch etwa 200 Menschen diesen Dialekt.


Contents

Phonologie

Jede Silbe hat die Struktur CV oder V. Aus dem Dialekt von Boumaa sind 5 Vokale, 7 Diphtonge und 17 Konsonanten bekannt.

Die Vokale

Die fünf Vokale aus dem Dialekt von Boumaa kommen meist in wortfinaler Position vor.

  vorn ungerundet         hinten gerundet
hoch   i       [[hinten gerundet hoch|Template:IPA-Text]]
mittel   [[vorn ungerundet mittel|Template:IPA-Text]]   [[hinten gerundet mittel|Template:IPA-Text]]  
tief     [[&nbsp tief|Template:IPA-Text]]    

Die Diphtonge

Neben Vokalen unterscheidet der Dialekt von Boumaa auch sieben Diphtonge. Sechs davon beginnen mit einem nicht hohen Vokal und enden mit einem hohen. Dies sind: ai, au, ei, eu, oi und ou. Der Diphtong iu kommt in hochfrequentierten Wörtern vor.

Beispiele:

niu = 'Kokosnuss'
liu = 'Kopf'

Die Konsonanten

  bilabial labiodental apicodental apicoalveolar dorsovelar glottal
nasal [[bilabial nasal|Template:IPA-Text]]   [[apicodental nasal|Template:IPA-Text]]   [[dorsovelar nasal|Template:IPA-Text]]  
voiceless            
stop [[bilabial stop|Template:IPA-Text]]   [[apicodental stop|Template:IPA-Text]]   [[dorsovelar stop|Template:IPA-Text]] [[glottal stop|Template:IPA-Text]]
prenasalised            
stop [[bilabial stop|Template:IPA-Text]]   [[apicodental stop|Template:IPA-Text]]   [[dorsovelar stop|Template:IPA-Text]]  
trill       [[apicoalveola trill|Template:IPA-Text]]    
prenasalised            
trill       [[apicoalveolar trill|Template:IPA-Text]]    
voiced            
fricative [[bilabial fricative|Template:IPA-Text]]   [[apicodental fricative|Template:IPA-Text]]      
voiceless            
fricative   [[labiodental fricative|Template:IPA-Text]]   [[apicoalveolar fricative|Template:IPA-Text]]    
affricate       [[apicoalveolar affricate|Template:IPA-Text]]    
lateral       [[apicoalveolar lateral|Template:IPA-Text]]    
semi-vowel       [[apicoalveolar semi-vowel|Template:IPA-Text]] [[dorsovelar semi-vowel|Template:IPA-Text]]  


Die Konsonanten aus dem Dialekt von Boumaa weisen einige besondere Aussprachen auf.

b wird [mb] gesprochen
c wird [th] gesprochen wie im Engl. 'this'
d wird [nd] gesprochen
g wird [ng] gesprochen wie im Engl. 'singer'
q wird [ngg] gesprochen wie im Engl. 'younger'


Die Konsonanten k, f und j kommen nur beschränkt vor. /t/ und /d/ haben die größte Allomorphie.

Das Pronomensystem

Das Fidschi hat ein hochentwickeltes Pronomensystem. Es wird zwischen vier Numeri unterschieden:

Singular,
Dual,
Paukal (für eine geringe Anzahl) sowie
Plural

und vier Personen:

dritte Plural,
zweite Plural,
erste Plural exklusiv (ohne Adressat) und inklusiv (mit Adressat)

Syntax

Wortstellung

Das Verb steht am Anfang des Satzes. Gibt es sowohl ein Subjekt (S) als auch ein Objekt (O) in einem Satz, so geht meist das Objekt dem Subjekt voran.

Beispiel:

(1)
e la´o-va a suka (O) a marama (S)
3Sg gehen-TR ART Zucker (O) ART Frau (S)

'Die Frau (S) geht Zucker (O) holen.'


Negation

Die Negation in der Fidschi- Sprache ist durch das Verb 'sega' gekennzeichnet. Nimmt 'sega' eine NP als Subjekt wird es mit 'es gibt keine' übersetzt.

Beispiel:

(2)
e sega a ´olii i+na ´oro yai
3Sg nicht ART Hund IN+ART Dorf DIESEM

'Es gibt keine Hunde in diesem Dorf.'


Wird die Negation an ein Prädikat angefügt, muss das Prädikat in einen ergänzenden Satz gebracht werden. Dabei wird 'ni' eingefügt, welches als Subjekt von 'sega' dient.

Beispiel:

(3)
e sega ni la´o o Jone
3Sg nicht DASS gehen ART Jone

'Jone geht nicht. (wörtlich:es ist nicht der Fall, dass Jone geht.)'

Zwei Verbtypen

Die meisten Verben im Fidschi haben sowohl eine intransitive als auch eine transitive Verbform. Die transitive Form wird meistens durch ein Suffix gebildet. Es gibt 2 Möglichkeiten, aus intransitiven Verben transitive zu bilden. Zunächst gibt es Verben, bei denen das intransitive Subjekt (S) dem transitiven Subjekt (A) entspricht (A=S):

A- Typ: Verben der Bewegung mit meist einsilbigen Suffixen

Beispiele:

(4a) (INTRANSITIV)
e dree a cauravou (S)
3Sg ziehen ART Jugend (S)

'Die Jugend (S) zieht.'

(4b) (TRANSITIV)
e dre-ta a waqa a cauravou (A)
3Sg ziehen-TR ART Boot ART Jugend (A)

'Die Jugend (A) zieht das Boot.'


(5a) (INTRANSITIV)
e la´o a marama (S)
3Sg holen ART Frau (S)

'Die Frau (S) holt Zucker.'

(5b) (TRANSITIV)
e la´o-va a suka (O) a marama (S)
3Sg holen-TR ART Zucker (O) ART Frau (S)

'Die Frau (S) holt den Zucker (O).'


Bei anderen Verben entspricht das intransitive Subjekt (S) dem transitiven Objekt (O) (O=S)

O- Typ: Verben der sichtbaren Einwirkung auf das Patiens

Beispiele:

(6a) (INTRANSITIV)
e lo´i a kaukamea yai (S)
3Sg verbiegen ART Metallstück (S)

'Dieses Metallstück (S) ist verbogen.'

(6b) (TRANSITIV)
e lo´i-a a kaukamea yai (O) a cauravou
3Sg verbiegen-TR ART Metallstück (O) ART Jugend

'Die Jugend verbiegt das Metallstück (O).'


(7a) (INTRANSITIV)
e kama a +i-sulu (S)
3Sg verbrennen ART Kleidung (S)

'Die Kleidung (S) verbrennt'


(7b) (TRANSITIV)
e kama-ca a +i-sulu (O) a cauravou (S)
3Sg verbrennen-TR ART Kleidung (O) Art Jugend (S)

'Die Jugend (S) verbrennt die Kleidung (O).'

Valenzverändernde Konstruktionen

Das Passiv

Das Passiv wird von einem aktiven transitiven Satz gebildet, indem die zugrundeliegende Objekt- NP zu einem passiven Subjekt wird. Das zugrundeliegende transitive Subjekt wird getilgt. Die transitive Endung des Verbs verändert sich zur Passivform. Beispielsweise wird ein einsilbiges Suffix -Ca zu -Ci.

Beispiele für ein Verb des A- Typs

(8a) (TRANSITIV)
au saa unu-ma a waqona yai
1Sg ASP trinken-TR ART Kaffee

'Ich habe Kaffee getrunken.'

(8b)(INTRANSITIV A>S)
au saa unu
1Sg ASP trinken

'Ich habe getrunken.'

(8c) (PASSIV O>S)
saa unu-mi a waqona yai
ASP trinken-TR ART Kaffee

'Der Kaffee wurde getrunken.'


(9a) (TRANSITIV)
e dre-ta a waqa a cauravou
3Sg ziehen-TR ART Boot ART Jugend

'Die Jugend zieht das Boot.'

(9b) (INTRANSITIV A>S)
e dree a cauravou
3Sg ziehen ART Jugend

'Die Jugend zieht.'

(9c) (PASSIV O>S)
e dre-ti a waqa
3Sg ziehen-TR ART Boot

'Das Boot wird gezogen.'

Beispiele für ein Verb des O- Typs

(10a) (TRANSITIV)
e kama-ca a i-sulu a cauravou
3Sg anbrennen-TR ART Kleidung ART Jugend

'Die Jugend brennt die Kleidung an.'

(10b) (INTRANSITIV O>S)
e kama a i-sulu
3Sg anbrennen ART Kleidung

'Die Kleidung brennt an.'

(10c) (PASSIV O>S)
e kama-ci a i-sulu
3Sg anbrennen-TR ART Kleidung

'Die Kleid wird angebrannt.'


(11a) (TRANSITIV)
au saa sogo-ta aa.tuba
1Sg ASP schließen-TR ART Tür

'Ich habe die Tür geschlossen.'

(11b) (INTRANSITIV O>S)
saa sogo aa.tuba
ASP schließen ART Tür

'Die Tür ist geschlossen.'

(11c)(PASSIV O>S)
saa sogo-ti aa.tuba
ASP schließen-TR ART Tür

'Die Tür wurde (von irgendjemandem) geschlossen.'

In den Passiv- Beispielen wird deutlich, dass ein Agens impliziert wird, der als Urheber der Handlung fungiert.


Das Kausativ

Das Kausativ wird durch eine va´a- Derivation gebildet. Das va´a- Präfix wird vor den Stamm eingefügt. Ein transitives Suffix wird hinzugefügt (Bei A- Typ: -ra, bei O- Typ: -ta). Das Subjekt wird dabei zum Objekt und eine Kausativ- NP als transitives Subjekt (A) wird eingefügt.

Beispiele für ein Verb des A- Typs

(12a) (TRANSITIV)
au saa vuli-ca a fika
1Sg ASP lernen-TR ART Arithmetik

'Ich lerne Arithmetik.'

(12b) (INTRANSITIV)
au saa vuli i na fika
1Sg ASP lernen zu ART Arithmetik

'Ich lerne (Arithmetik).'

(12c) (KAUSATIV)
e saa va´a-. vuli-ci au o Jone i na fika
3Sg ASP MACHEN -lernen-TR 1Sg ART Person

'Jone lehrt mich (Arithmetik).'

Die Subjekt- NP des intransitiven Satzes wird zum Objekt des Kausativ- satzes. Dabei wird ein neuer Agens (Jone) eingeführt.


(13a) (TRANSITIV)
oto-ra a laga a gone
3Sg liegen-TR ART Matte Kind

'Das Kind liegt auf der Matte.

(13b) (INTRANSITIV)
oto a gone
3Sg liegen ART Kind

'Das Kind liegt.

(13c) (KAUSATIV)
e va´a-. oto-ra a gone a marama
3Sg MACHEN liegen-TR ART Kind ART Frau

'Die Frau legte das Kind hin.'

Die Frau ist in dem Fall der Verursacher der Handlung.


Beispiel für ein Verb des O- Typs

(14a) (TRANSITIV)
au-ta yane a i-vola a cauravou
3Sg senden-TR ART Brief ART Jugend

'Die Jugend sendet den Brief.'

(14b) (INTRANSITIV)
au yane a i-vola
3Sg senden ART Brief

'Der Brief ist gesendet.'

(14c) (KAUSATIV)
e va´a-. ´au-ta yane a i-vola a marama
3Sg MACHEN senden-TR ART Brief ART Frau

'Die Frau hat gemacht/ verursacht, dass der Brief versendet ist.'

Die neue Kausativ- NP 'die Frau' ist der Verursacher der Handlung.


Nicht- Kausatives va´a

Das va´a- Präfix wird nicht nur für die Bildung des Kausativs verwendet, sondern auch, um auszudrücken, dass man etwas intensiver macht.

Beispiel:

(15)

va´a-.taro-ga

'mehrmals fragen'


Das Reflexiv

Im Fidschi gibt es kein spezielles Verbaffix und auch kein Reflexivpronomen, um Reflexivität auszudrücken. Um die erste und zweite Person im Reflexiv zu bilden, benutzt man sowohl im Subjekt als auch im Objekt die gleiche Pronomen- Form.

Beispiel:

(16a)
au saa va´a-.dodonu.-ta´ini au
1Sg ASP berichtigen-TR 1Sg

'Ich berichtige mich (selbst).'

In der dritten Person Singular wird das Reflexiv durch die explizite dritte Singular Objekt- Pronomen- Form '´ea' gebildet.

Beispiel:

(16b)
sa va´a-.dodonu-.ta´ini ´ea o Mika
berichtigen-TR 3Sg Objekt ART Mika

'Mika berichtigt sich (selbst).'


Reduplikation

Die meisten Verben können in reduplizierter Form verwendet werden. Generell werden die ersten beiden Silben vor dem Verb verdoppelt.

Beispiel:

(17a)cula- 'sehen'

(17b)cula.cula- 'eine Zeit lang sehen'


Die Reduplikation eines Verbs wird wie folgt abgeleitet:

i.) eine reduplizierte Form ist normalerweise intransitiv (ohne Suffixe)

ii.) das transitive Subjekt (A) wird zum Subjekt (S) der reduplizierten Form

iii.) ein redupliziertes Verb bedeutet, dass der Agens etwas mehrmals macht bzw. über einen längeren Zeitraum


Beispiel für ein Verb des O-Typs

(18a) (TRANSITIV)
e cula-a a i-sulu yai (O) o Maria (A)
3Sg nähen-TR ART Kleidung (O) ART Maria (A)

'Maria näht diese Kleidung'

(18b) (INTRANSITIV O>S)
e cula a i-sulu yai (S)
3Sg nähen ART Kleidung (S)

'Die Kleidung ist genäht worden.'

(18c) (Reduplikation A>S)
e cula.cula o Maria (S)
3Sg nähen ART Maria (S)

'Maria näht immer weiter.'

Zusammenfassung

Zusammenfassung der Reduplikation für Verben des A- und O- Typs:

  A-Typ Verb O-Typ Verb
TRANSITIV [[A-Typ TRANSITIV|Template:IPA-Text]] [[Verb TRANSITIV|Template:IPA-Text]] [[O-Typ TRANSITIV|Template:IPA-Text]] [[Verb TRANSITIV|Template:IPA-Text]]
INTRANSITIV [[A-Typ INTRANSITIV|Template:IPA-Text]]     [[Verb INTRANSITIV|Template:IPA-Text]]
PASSIV   [[Verb PASSIV|Template:IPA-Text]]   [[Verb PASSIV|Template:IPA-Text]]
REDUPLIKATION [[A-Typ REDUPLIKATION|Template:IPA-Text]]   [[O-Typ REDUPLIKATION|Template:IPA-Text]]  

Die Reduplikation wird vorwiegend bei O-Typ Verben verwendet, die eine sichtbare Einwirkung auf das Patiens erlauben. Bei einem A-Typ Verb haben die intransitive und die reduplizierte Form die selbe Sntax. O-Typ Verben hingegen korrespondieren in ihrer transitiven und ihrer passiven Form.


Abkürzungen

1 erste Person

3 dritte Person

A transitives Subjekt

TR transitiv

sg Singular

ART Artikel

ASP Aspektmarker


Literatur

DIXON, Robert M.W. 1988. A Grammar of Boumaa Fijian. Chicago: The Univ. of Chicago Press

BUßMANN, Hadumod. 2002. Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner

SCHÜTZ, A. J. 1985. The Fijian Language. Honolulu. University of Hawaii Press.