Difference between revisions of "Schrift"

From Glottopedia
Jump to: navigation, search
Line 26: Line 26:
 
Meist bildhafte komplexe Grapheme entsprechen einzelnen Morphemen der jeweiligen Sprache.
 
Meist bildhafte komplexe Grapheme entsprechen einzelnen Morphemen der jeweiligen Sprache.
  
Viele Schriften kann man nicht direkt einer Variante zuordnen, bei diesen handelt es sich um Mischformen mit verschiedenen Anteilen. So zum Beispiel die [[Schrift der Maya]], welche sowohl Logogramme als auch Syllabogramme besitzt. Alphabetschriften besitzen die wenigsten Grapheme, Silbenschriften haben schon deutlich mehr Grapheme und Logoraphien können mehrere Tausend Grapheme enthalten.
+
Viele Schriften kann man nicht direkt einer Variante zuordnen, bei diesen handelt es sich um Mischformen mit verschiedenen Anteilen. So zum Beispiel die [[Mayaschrift|Schrift der Maya]], welche sowohl Logogramme als auch Syllabogramme besitzt. Alphabetschriften besitzen die wenigsten Grapheme, Silbenschriften haben schon deutlich mehr Grapheme und Logoraphien können mehrere Tausend Grapheme enthalten.
  
 
===Literatur===
 
===Literatur===

Revision as of 13:40, 10 May 2016

Kommentar

Der Begriff "Schrift" wird in der Forschungsliteratur unterschiedlich definiert, daher erfolgt hier eine zitierte Auswahl an Definitionen zur Veranschaulichung.

Contents

Definition

1. „Gesamtheit der in einem System zusammengefassten grafischen Zeichen, besonders Buchstaben, mit denen Laute, Wörter, Sätze einer Sprache sichtbar festgehalten werden und so die lesbare Wiedergabe einer Sprache ermöglichen.“ (Duden Online)

2. „Schrift ist ein System graphischer Symbole, das gebraucht werden kann, um jeden Gedanken vollständig wiederzugeben.“ (DeFrancis: 2)

3. Haarmann widerspricht dem: „Um auch der Entfaltung einer graduellen Annäherung von Schriftzeichen an die Lautung von Sprache in der Schriftrevolution Rechnung zu tragen, ist es sinnvoll (...) die sprachunabhängige Ideenwelt, die das Kulturmilieu einer Sprachgemeinschaft prägt, mit einzubeziehen. Ursächlich war die Verschriftung ein Prozeß der Visualisierung sprachunabhängiger Begriffe und nicht sprachlicher Zeichen.“ (Haarmann: 41) Auf diese Weise definiert er auch Piktogramme als Schriftzeichen.

4. „We can define writing as the use of graphic marks to represent specific linguistic utterances.“ (Rogers: 2) Rogers definiert Schrift im weitere Sinne, als die Repräsentation spezifischer, sprachlicher Äußerungen.

Man unterscheidet in der Linguistik den Begriff Schrift (engl. Script) von dem Begriff Schriftsystem. Die Schrift umfasst alle übersprachlichen Zeichen, die zur Verfügung stehen. Wie diese in einer spezifischen Sprache genutzt, kombiniert und gesetzt werden, wird als Schriftsystem bezeichnet. Im Schriftsystem sind auch Normen und Regeln zur Vereinheitlichung des Systems verankert - die Orthografie. Die Basiseinheit eines Schriftsystems wird Graphem bezeichnet.

Schriften

1. Alphabetschrift (Buchstabenschrift) - Einzelne, segmentale Grapheme entsprechen Phonemen der jeweiligen Sprache.

2. Syllabographie (Silbenschrift) - Suprasegmentale Graphme korrelieren mit Silben der jeweiligen Sprache.

3. Logographie (Wortschrift) - Meist bildhafte komplexe Grapheme entsprechen einzelnen Morphemen der jeweiligen Sprache.

Viele Schriften kann man nicht direkt einer Variante zuordnen, bei diesen handelt es sich um Mischformen mit verschiedenen Anteilen. So zum Beispiel die Schrift der Maya, welche sowohl Logogramme als auch Syllabogramme besitzt. Alphabetschriften besitzen die wenigsten Grapheme, Silbenschriften haben schon deutlich mehr Grapheme und Logoraphien können mehrere Tausend Grapheme enthalten.

Literatur

  • DeFrancis, John. 1993. Visible Speech: The Diverse Oneness of Writing Systems. Honolulu: Hawaii Press.
  • Haarmann, Harald. 2009. Geschichte der Schrift. München: Beck.
  • Rogers, Henry. 2005. Writing Systems: A linguistic approach. Oxford: Blackwell.

Links