Difference between revisions of "Runyankore"

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Runyankore ist eine Bantusprache und wird von den Nyankore, der dritt größten von 43 Ethnien in Uganda gesprochen.

Contents

Klassifikation

Runyankore ist eine afrikanische Sprache und gehört der Niger-Congo Sprachfamilie an, weist aber nilotische Einflüsse in manchen Wortstämmen auf. Seit 1990 gibt es die Bezeichnung Runyakitara für die vier verwandten Sprachen in Uganda: Runyoro ( Nyoro), Rutooro (Tooro), Rukiga (Chiga) und Runyankore (Nyankore).

Geographische Verteilung

Runankore wird im südwestlichen Teil Ugandas gesprochen, im Ankole Distrikt, östlich vom Eduardsee. Alternative Namen sind: Nkore, Ulunyankore, Nkole und Ulunyankole.

Runyankore ist keine Amtssprache. Sie wird jedoch in Grundschulen unterrichtet und in Radioprogrammen und lokalen Zeitschriften verwendet.


Dialekte

Dialekte von Runyankore sind Hororo, Orutagwenda und Hima, wobei Hima oft auch als eigene Sprache bezeichnet wird.

Runyankore, Runyoro und ihre Dialekte werden oft als eine Sprache betrachtet, da sie 78%-96% lexikalisch ähnlich sind. Runyankore und Rukiga sind 84% bis 94% lexikalisch ähnlich und werden daher von einigen Linguisten als eine Sprache bezeichnet. Auch aufgrund der lexikalischen Ähnlichkeiten zu Rutooro (75%-86%), Zinza (81%), Nyambo (78%), Haya (74%) und Kerewe (68%) ist es umstritten, ob die vier in West Uganda gesprochenen Sprachen lediglich Dialekte sind.

An der Makerere Universität in Uganda wird Runyankitara als Standardisierung der vier südwestlichen Sprachen Ugandas unterrichtet.

Phonologie

Töne sind in der Standardorthographie nicht markiert. Töne sind nur phonetisch und spiegeln semantische Unterschiede wieder. Zum Beispiel bei der Unterscheidung zwischen omugôngo (‚back of the body‘), mit aufsteigendem und abfallendem Ton auf der dritten Silbe, und omugongo (‚village‘) mit gleichbleibender Betonung. Diese Zweideutigkeiten sind selten, daher gibt es keine Tonmarkierung.

Morphologie und Syntax

Runyankore ist eine SVO-Sprache und agglutierende Sprache mit Nominalklassensystem. Die Affixe der 13 Nominalklasse werden am Wortstamm der anderen Satzelemente hinzugefügt, wenn sich diese auf das Nomen beziehen.


Bsp.: eki- tabo eki- hango eki- mwe
it- book it- big it- one
'the one big book'


Unterschieden wird in den Kategorien Tempus zwei Präsensformen ‚present progressiv‘ und ‚universal present‘, die drei Präteritumsformen ‚today past‘ (TPST), ‚yesterday past‘ (YPST) und ‚remote past‘ (RPST) und zwei Futurformen ‚near future‘ und ‚remote future‘. Runyankore besitzt die Modusform Imperativ, Indikativ und Optativ.


Nomen

Das Nomen ist Kopf der Nominalphrase aber ist nicht Modifikator. Es kann als Subjekt vor dem Verb oder als Objekt nach dem Verb in unmarkierten Sätzen stehen. Der Numerus (Singular und Plural) wird am Nomen markiert. Als Kopf der Nominalphrase ist das Nomen durch Adjektive veränderbar. Nomen, die ihren Ursprung in der Bantusprache haben, sind an ihren Klassenpräfixen erkennbar. Nomen, die einan anderen Ursprung haben, haben keine Klassenpräfixe, werden aber den ersten beiden Klassen zugeordnet.

Pronomen

Das Pronomen kann Kopf der Nominalphrase sein und in der Position des Subjekts und des Objekts stehen, wenn es eine freie lexikalische Einheit ist. In vielen Fällen erscheinen Pronomen in Gestalt von Verbaffixen. Ein Personalpronomen oder ein Relativpronomen kann als Präfix oder Infix in der Position des Subjektes vor oder nach dem Zeitinfix stehen. Als Objekt steht das Relativpronomen als freie lexikalische Einheit vor dem Verb. Das Personalpronomen steht als Objekt nach dem Zeitinfix und unmittelbar vor dem Verbstamm. Wenn ein Reflexivinfix eingefügt wird, dann steht es aber zwischen Personalpronomen (in der Position des Objekts) und Verbstamm. Pronomen können in Singular und Plural vorkommen und sind den Nominalklassen zugeordnet. Nur freie Pronomen sind modifizierbar. Wenn es als Subjekt eines Satzes genutzt wird, ist es auch Subjekt des Verbs.


Verb

Das Verb ist Kern des Satzes. Es kann zwei Nominalphrasen verbinden. Ein ganzer Satz kann in Runyankore aber auch ein einzelnes Verb sein. Es folgt dem Subjekt und steht gegebenenfalls vor dem Objekt. Das Subjekt und Objekt eines Verbs verändern Teile seiner morphologischen Struktur, und werden als Präfix und Infix vor dem Verbstamm markiert. Das Verb enthält immer ein Subjektpräfix (selten ist es ein Infix), welches ein Relativpronomen- oder ein Personalpronomenaffix ist. Außerdem wird die Zeitform am Verb mittels Präfix oder Infix markiert. Durch Suffigierung wird der Modus am Verb gekennzeichnet. Die Negation wird allen Präfixen vorangestellt. Es ergibt sich also folgende Affix Reihenfolge für die Formation eines Verbs: Verneinung-Personalpronomen–Zeitform-Objekt-Verb-Modus.


Adjektive

Es gibt nur wenig Adjektive in Runyankore. Die Funktion der Adjektive wird von beschreibenden Verben oder Nomen übernommen.


Bsp.: emanzi w’- eki- tiinisa
hero of it- fame
'a famous hero.'


Das Adjektiv hat eine ähnliche Form und Funktion wie das Nomen. Semantisch repräsentiert es Eigenschaften wie lang/kurz, groß/klein und Farben. Es gibt etwa 20 solcher ‚lexikalischen‘ Adjektive in Runyankore. Aber es gibt auch ‚grammatische‘ Adjektive, wie Demonstrativum, Numerale und Possessive. Die Demonstrativ- und Possessivadjektive sind durch das Nominalklassensystem veränderbar und haben die Präfixe der Klasse, in der das Nomen zugeordnet wird, auf dem sie sich beziehen, wie die anderen obengenannten Adjektive. Bei den Numeralen wird nur bei den Grundzahlen von ‚eins‘ bis ‚fünf‘ die Klassenpräfixe hinzugefügt, das gilt aber auch für Grundzahlen, die auf ‚eins‘ bis ‚fünf‘ enden. Das Klassenpräfix wird vor der letzten Ziffer hinzugefügt. Bei den restlichen Grundzahlen entfällt diese Regel.

Passiv

Das Passiv wird im Runyankore relativ häufig verwendet. Die Anordnung der Satzelemente ist: (1) Objekt Argument, (2) passives Verb, (3) Agens Argument. Der Agens folgt dem Passiv ohne Präposition.

Bsp.: omwibi y- aa- reeb- w- a nyineeka
thief he- TPST- see- PASS- see owner
'The thief was noticed by the owner'.


Das Passiv wird wie folgt ausgedrückt:

  1. bei Verben, die auf –a enden, meist durch das Einfügen des Infix –w- in vor dem finalen –a
  2. Verben die auf –sa und –za enden, ändern das finale –a in -ibwa
  3. Kausative auf –ya, ändern das –ya in ibwa
  4. Einsilbige Verben sind irregular. Das Passiv endet immer auf –bwa, nach einem langen Vokal.
    • Einsilbige Verben, die y enthalten fügen das Infix –iibw ein
    • Verben, die w enthalten setzen –uubw ein
    • Verben die weder y noch w enthalten, fügen –eebw ein


Bsp:

Verb Passiv
-manyiisa inform -manyiisibwa be informed
-shemza cleanse -shemezibwa be cleansed
-hamya confirm -hamibwa be confirmed
-rya eat -riibwa be eaten
–cwa break -cuubwa be broken
–ta put -teebwa be put


Bsp.: A- ka- it- w- a
3SG- RPST- kill- PASS- kill
'He was killed'.


  • Das Subjekt ist nicht immer Objekt, es kann auch indirekter Rezipient sein:
Bsp.: Mugisha y- aa- heeb- w- a ebitakuri
Mugisha 3SG- TPST- give- PASS- give Potatoes
'Mugisha was given potatoes'.


  • Manche Verben die in Aktiv sind haben eine passive Bedeutung und ihre passive Form hat eine aktive Bedeutung:
Bsp.: Entaama yangye e- buzire
sheep 1SG.GEN- it- be lost
'My sheep is lost'.


Bsp.: M- buzir- w- e entaama
1SG- be lost- PASS- be lost sheep
'I’ve lost a sheep'.


Unpersönliches Passiv

Bsp.: Eky- eteng- w- a aha baramuzi n‘okuramura gye
what require- PASS- require on judges is judging well
'It is demanded of judges that they judge justly'.


Valenzreduktion

Stativ

Das Stativ ist eine Verbalableitung, durch die im Verbalstamm ausgedrückte Handlung als erreichter oder möglicher Zustand charakterisiert wird. Ein spezifischer Agens ist dabei nicht impliziert. Das finalen –a wird zur Endung –ika, -eka, -ara oder –ikara eingefügt.


Verb Stativ
-yata spill -yatika be spilt
–cwa break -cweka be broken
-shara cut -sharuka be cut
-tsiga leave -tsigara be left
-shiisha spoil -rhiishara be spoilt

Reziprok

Verben werden durch die Suffigierung mit -na reziprok. -na kann dabei auch signalisieren, dass mehr als ein Lebewesen oder Gegenstand an einer Handlung teilnimmt.


Bsp.: Oko- teera- na kwambo
3PL hit RECP their
'They hit each other'.


  • -na kann die Bedeutung von ‚mit’haben


Bsp.: Y- aa- ija- na embwa
TPST 3SG come RECP dog
'He came with the dog'.

Valenzerweiterung

Kausativ

Der Kausativ kann wie folgt gebildet werden:

1. Die Endung –a wird in –ya umgewandelt.

  • Verben, die auf –ha, -ka und –ga enden und ihren Kausativ auf diese Weise bilden, enthärten im Runyankore –hya, -kya und –gya zu –sya, -tsya und –zya.
-taaha -taahya -taasya
enter bring in


-hika -hikya -hitsya
reach cause to reach


-oga -ogya -ozya
bath cleanse (cause to bath)


2. Die Endung –a wird in –isa oder wenn der Vokal der vorletzten Silbe ein e oder o ist, wird sie in –esa umgewandelt.

-gamba -gambisa
speak speak through (cause to speak)


-shoma -shomesa
read teach (cause to read)


  • Verben, die auf auf –ja und –sha enden, ändern das j in z und sh in s
-tagaija -tagaizisa
walk painfully cause to walk painfully


-rasha -rasisa
shoot cause to shoot


-gyesha -gyesesa
harvest cause to harvest


3. Ausnahmen:

  • Viele Verben die auf –ra und -nda enden, ändern das –ra und –da in –za
-kora -koza
work cause to work


-funda -funza
be narrow make narrow


  • Einige intransitive Verben auf –ka haben eine kausative und transitive Form in –ra
-hinduka -hindura
turn turn something


Gebrauch von Kausativ
  • jemanden veranlassen etwas zu tun
Bsp.: A- ka- b- ombek- yesa enju
3SG RPST- them- build- CAUS house
'He got them to build a house.'


  • um ein intransitives Verb transitiv zu machen
Bsp.: A- ka- ki- za omurwaire
3SG RPST- cure- CAUS patient
'He cured the patient'. (von –kira, get well)


  • um das Instrument zu nennen
Bsp.: A- ka- n- tee- za enkoni
3SG RPST- 1SG.DAT- hit- CAUS stick
'He hit me with a stick.' (lit. He caused the stick to hit me.)


  • um nach dem Grund zu fragen
Bsp.: Eki- rikukugamb- isa kityo n’enki?
it- say- CAUS like that why
'Why do you say this?'. (lit. What is it that causes you to say this?.)

Doppel-Kausativ

Beim doppelten Kausativ enden die Verben auf –za. Ausnahmen bilden die Verben auf –ya, deren Endung zu –ize wird.


Bsp.: A- ka- ki- hindu- za enkoni
3SG- RPST- 3SG.DAT- turn- CAUS stick
'He turned it with a stick'. (lit. He caused the stick to cause it to turn.)


Reflexiv

Reflexiv kann durch ein verbales Präfix ausgedrückt werden, indem e- an den Verbstamm zugefügt wird. Wenn das Verb mit a, e, oder o beginnt, werden die Vokale durch das Infix –y- getrennt.


Bsp.: Nganga n- aa- ye- shereka
Nganga TPST- 3SG- self- hide
'Nganga was hiding (himself)'.


  • Um die Reflexivität zu betonen kann –onka/ -enka als freies Attribut hinzugefügt werden.
Bsp.: N- aa- ye- shereka w- enka
TPST- 3SG- self- cover 3SG- only
'He was covering himself.


Applikativ

Die Endung –a vom Wortstamm wird zu –ira oder –era, wenn die vorletzte Silbe e oder o ist. Verben auf –ja und –sha, die die Endung –ira nehmen, ändern das j in z und sha in s.

-kora -korera
work work for


-ija -izira
come come for


Bsp.: N- deet- era eki- tabo
1SG.ACC- bring- APPL it- book
'Bring for me a book'.


Bsp.: A- ka- reet- era omwana eki- conco
3SG- RPST- bring- APPL- child it- present
'He brought a prensent for the child'.


  • Ausnahmen:

1. Verben auf –za werden zu –riza oder –reza

-heza -hereza
finish finish for


2. Kausative Verben auf –ya werden zu –iza oder –eza

-hamya -hamiza
confirm confirm for


3. Kausative Verben auf –sa werden zu –siza oder –seza

-gyendesa -gyendeseza
cause to go cause to go for


4. Kausative Verben auf –sya, -tsya und –zya, die aus Verben mit der Endung auf –ha, -ka, -ga geformt wurden, bilden ihren Applikativ, aus dem ursprünglichen Verb, wie der Kausativ regulär gebildet worden wäre (ohne Enthärtung).

-taasya -taahiza
bring in bring in for


-imutsya -imukiza
raise up raise up for


-ozya -ogyeza
cleanse wash in


Doppel-Applikativ

Bsp.: O- mu- ngambir- ire
2SG- 3SG.DAT- tell APPL
'Tell him for me'.

Literatur

  • Taylor, Charles V.: Nkore-Kiga, Croom Helm. London 1984
  • Morris, H and Kirwan, B: A Runyankore Grammar. Nairobi 1966
  • Taylor, Charles V.: A Simplified Runyankore-Rugika-English and English Runyankore-Rugika Dictionary. Kampala 1959


Weblinks

http://www.panafril10n.org/wikidoc/pmwiki.php/PanAfrLoc/Runyakitara

http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=nyn