Zentralalaska-Yup'ik

From Glottopedia
Revision as of 20:45, 3 February 2013 by MRiessler (Talk | contribs)

(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to: navigation, search
{{{Language}}}
Autonym: {{{Autonym}}}
WALS: {{{WALSname}}}
Ethnologue 15: {{{Ethn15name}}}
Gesprochen in: {{{Countries}}}
WALS-Lage: {{{WALSLoc}}}
Sprecher: {{{Speakers}}}
Familie: {{{Family}}}
Unterfamilie: {{{Genus}}}
Status
Amtssprache in: {{{OfficialLg}}}
ISO-Codes
ISO 639-1: -
ISO 639-2: ypk -
ISO 639-3: {{{Ethn15}}}
MPIExt-1: {{{MPIExt1}}}


Zentralalaska-Yup'ik gehört zur Eskimo-Aleutisch Sprachfamilie. Die Sprache wird im Südwesten Alaskas gesprochen und zählt zu den Yup'ik-Sprachen, die zu dem Eskimo-Zweig der Sprachfamilie gehören. Das Zentralalska-Yup'ik (engl.: Central Alaskan Yup'ik) ist die meistgesprochene der Yup'ik-Sprachen, die Sprecherzahl liegt zwischen 10.000 und 15.000 und ist in ihrer Gesamtheit stabil. (Zum Vergleich: die Gesamzsprecherzahl der eskimo-aleutischen Sprachfamilie liegt bei ca. 100.000)




Contents

Morphologische Kennzeichnung der Sprache

Im Zentralalaska-Yup'ik werden Wörter im Allgemeinen in zwei Haupttypen unterteilt, in nicht flektierende Wörter (Partikel) und in flektierende Wörter (Nomen und Verben). Die flektierbaren Wortarten zeichnen sich durch eine charakteristische Struktur aus; sie sind segmentierbar in Wurzel, einer Anzahl von Derivationssuffixen (Postbasen) und Flexionssuffixe (Endungen).

Die Sprache ist stark polysynthetisch, das heißt, dass flektierende Wörter (hauptsächlich Verben) zum einen morphologisch sehr komplex sein können und zum anderen weitfassende Sachverhalte zum Ausdruck bringen. Die Sprache besitzt zahlreiche Derivationssuffixe, welche die syntaktische Funktion und die Bedeutung eines Wortes modifizieren. Viele dieser Suffixe, mit solcher Funktion, verändern die Valenz von Verben und somit entweder die Anzahl der Mitspieler des Verbs (Argumente) oder ihre Rollen im Kontext.

An Nomen findet man Flexionsmarkierung für Numerus (Singular, Dual, Plural) und Kasus sowie gegebenenfalls Possessivmarkierung. Verben zeigen Modus-Markierung, wobei jeder Modus durch pronominale Suffixe repräsentiert wird, welche gleichzeitig die Kernargumente (obligatorische Argumente) des Verbs markieren.

Darüber hinaus existieren im Zentralalaska-Yup'ik drei grundlegende Typen von Verbstämmen - solche, die ausschließlich intransitiv (mit nur einem Kernargument) gebraucht werden können, solche, die nur transitiv (mit zwei Kernargumenten) auftreten und solche, die sowohl intransitive als auch transitive Verben bilden. Letzteren Typ nennt man ambitransitiv, wobei hier zwischen agentiven und patientiven ambitransitiven Verbstämmen zu unterscheiden ist.

Valenzverändernde Prozesse

Valenzreduktion

Agens-Demotion

Bei der Agens-Demotion wird das Agens-Argument eines Verbs in den Hintergrund des Kontextes gestellt, bzw. wird es ganz aus der Handlung genommen.

Die einfachste Möglichkeit ein Verb so zu verändern, dass dieser Effekt erzielt wird, ist im Zentralaska-Yup'ik die intransitive Verwendung eines patientiven ambitransitiven Verbstammes. Ein solcher Verbstamm elaubt, wenn er intransitiv flektiert wird, ausschließlich ein patientives Argument. Patientive Argumente sind solche Argumente, die keine Kontrolle über die Handlung ausüben, sondern Gegenstand der Handlung sind.


katag- 'fallen (lassen)'

transitiv:

igte-lu-ni tau-kut=llu atsar-t katag-lu-ki tamalkur-ita
fallen-SBJV-3SG dass-PL=und Frucht-PL fallen_von-SBJV-REFL>3PL alle-3PL

'Er fiel und (er) verlor alle Früchte.'


Anmerkung: Die Abkürzungen in der Glossierung folgen den Leipziger Glossierungsregeln.


intransitiv:

katag-llini-u-q
fallen_von-offensichtlich-IND.INTR-3PL

'Sie sind (offensichtlich) herausgefallen.'


  • Passiv(ähnliche) Derivationssuffixe

-cir-

tegleg- 'stehlen'
teglegaa 'er stahl es' TRANSITIV
teglegcirtuq 'es wurde gestohlen' INTRANSITIV

Das Suffix kann aber auch die Bedeutung intransitiver Konstruktionen beeinflussen:

mecunguq
mecunge-u-q
durchnässt.sein-IND.INTR-3SG
'es ist nass'
mecungcirtuq
mecunge-cir-tu-q
durchnässt.sein-ADVERSATIV-IND.INTR-3SG
'es wurde nass (gemacht)' (Resultat)

Das Suffix -cir- hat in solchen Kontexten sehr häufig die Bedeutung, dass die Handlung zum Nachteil des Betroffenen geschieht. Das ist typisch für Passive, jedoch ist das nicht immer so. Im Zentralalaska-Yup'ik ist diese Bedeutung obligatorisch, die Passivfunktion nicht in jedem Fall.


-ma-

transitiver Stamm:

meleg- 'schließen'
melgaa 'er schloss es' TRANSITIV
melgumauq 'es ist geschlossen' INTRANSITIV


agentiver ambitransitiver Stamm:

nere- 'essen'
ner’uq 'er aß' INTRANSITIV
nerumauq 'er hat gegessen'

Die Funktionsweise des Suffixes -ma zeigt bei agentiven ambitransitiven Verben eine Besonderheit, denn die abgeleitete intransitive Konstruktion, kann sowohl ein Agens-Argument oder wie im nächsten Beispiel ein Patiens-Argument enthalten. Die zweite Variante stellt die gewöhnliche Funktion des Passivs dar:

neraa 'er aß es' TRANSITIV
nerumauq 'es wurde gegessen' INTRANSITIV

Das Suffix -ma- kann sich an Verben der verschiedenen Typen hängen. Die vorwiegende Funktion des Suffixes ist es, einen resultativen (und stabilen) Zustand des prominentesten Arguments (=Topik) zu betonen. Dies ist ebenfalls eine Funktion von Passiven, jedoch ist die Valenzveränderung nicht in allen Fällen obligatorisch.

tuqu- 'sterben' INTRANSITIV
tuquuq 'es starb' INTRANSITIV/PATIENTIV
tuqumauq 'es ist tot' RESULTATIV


  • weitere Passive, vorgeschlagen in Reed et al. 1977, in Payne 2006: Abilitatives Passiv (Möglichkeitspassiv)
keme-k ner-narq-u-q (yug-nun)
Fleisch-ABS essen-PASS-INTR-3SG Person-OBL

'(Das) Fleisch kann (von jemandem) gegessen werden.'

Das Agens-Argument ist in solchen Konstruktionen, wie es typisch ist für Passive, optional. Wird es jedoch erwähnt, erhält es den Allativ-Kasus (hier mit 'OBL' glossiert).

tauna ner-nait-u-q (yug-nun)
dieses.ABS essen-PASS-INTR-3SG Person-OBL

'Dieses kann (darf) nicht gegessen werden (von einer Person).'

Patiens-Demotion

Bei der Patiens-Demotion wird das Patiens-Argument eines Verbs aus dem Kontext genommen oder in den Hintergrund gestellt. Das bedeutet, dass ihm der Status des Kernarguments entzogen wird. Wird es trotzdem mit erwähnt, so erhält es den Ablativ-Kasus.

  • Ähnlich wie bei der Agens-Reduktion ist die einfachste Möglichkeit, das Patiens-Argument zurückzustufen, einen agentiven ambitransitiven Verbstamm intransitiv zu flektieren. Agentive ambitransitive Verbstämme sind solche Stämme, die bei intransitiver Flektion ein Agens-Argument verlangen.
kitur- 'vorübergehen'
kituraa 'er ging an ihr/ihm vorüber' TRANSITIV
kiturtuq 'er ging vorüber' INTRANSITIV


Detransitivierungssuffixe

–(u)te-, -(g)i-

Diese Derivationssuffixe erlauben es, patientive ambitransitive Verben zu intransitivieren, so dass im intransitiven Kontext dann das Patiens-Argument vermieden wird (=typische Funktion des Antipassivs) und nicht, wie normalerweise bei diesen Verben, das Agens-Argument.

patientives Verb:

ulligte- 'Fisch zuschneiden (um ihn zu trocknen)'
ulligt-aa 'sie schnitt ihn (den Fisch)' TRANSITIV
ulligci-uq 'sie schnitt (den Fisch, um ihn zu trocknen)' abgeleiteter INTRANSITIVER Kontext


ausschließlich transitiver Verbstamm:

ikayur- 'helfen'
ikayuraa 'sie half ihm'
ikayuut-uq 'sie hilft' abgeleitete INTRANSITIVE Konstruktion

Valenzerweiternde Prozesse

Kausativ

Kausativierung durch Transitivierung patientiver Ambitransitive:

akngirte- 'verletzt werden' (INTR), 'jemanden verletzen' (TR)
akngirt-uq 'er wurde verletzt' INTRANSITIV
akngirt-aa 'sie verletzte ihn' TRANSITIV


Kausative Derivationssuffixe

Im Zentralalaska Yup'ik gibt es zahlreiche solche Suffixe. Sie unterscheiden sich in ihrer speziellen Bedeutung, ihre syntaktische Funktionsweise ist gleich (Hinzufügen eines übergeordneten Agens-Argumentes, eines kontrollierenden Handlungsteilnehmers, welcher der Verursacher der Handlung ist).

te 'lassen, erlauben, verursachen'
nar 'verursachen, veranlassen'
rqe 'intentional/absichtlich verursachen/veranlassen'
cetaar 'versuchen etwas zu verursachen'


-vkar-/-cete- 'lassen, erlauben, genehmigen, verursachen'

igte-vkar-aa
fallen-verursachen-IND.TR.3SG>3SG

'Er verursachte, dass sie fiel./Er ließ es fallen.'


-cir- 'lassen, warten auf, machen'

tuntuvag-et aner-cir-aqe-lu-ki
Elch-PL gehen_aus-warten-PST-SBJV-REFL>3PL

'Wir warteten, bis/dass der Elch hinaus ging.'


-(r/l)i- 'werden oder (etwas) veranlassen (...) zu werden'

uqnarqe-i-qapiar-lu-ku camiliini-llu yug-et
brennen.heiß-machen-sehr-SBJV-REFL>3SG manchmal=auch Person-PL.ERG

'Und manchmal machten die Leute es (das Dampfbad) sehr heiß.' (sie ließen es sehr heiß werden)


aus PAYNE 2006:

TRANSITIV

Nukalpia-m aana-mi-nun kenir-cet-aa kemek
jung.Mann-ERG Mutter-POSS-OBL trocknen-machen-3SG>3SG Fleisch:ABS

'Der junge Mann ließ seine Mutter das Fleisch trocknen.'

In transitiven Konstruktionen, die durch ein Agens-Argument erweitert werden, kommt es zu Kasusverschiebung. Das neue, übergeordnete Agens-Argument ('der junge Mann') steht im Ergativ, das ursprüngliche Agens-Argument ('seine Mutter'), das der transitiven Konstruktion, verliert seinen Status als Kernargument des Verbs, und steht normalerweise im Allativ. Das Patiens-Argument ('das Fleisch') behält den Absolutiv.


kausativierte Kausative -vkar- + -te-

Es ist, wie in der folgenden Konstruktion gezeigt wird, auch möglich, Kausativsuffixe zu kombinieren.

igtevkartaanga
igte-vkar-te-a-anga
fallen-verursachen-verursachen-IND.TR-3SG>1SG

'Er veranlasste mich, es fallen zu lassen.' wörtl.: Er verursachte, dass ich verursachte, dass es fiel.


Subjektkontinuität

Bei unterordnenden Satzverbindungen ist das Subjekt der Nebensätze immer identisch mit dem Subjekt der jeweiligen Hauptsätze. Diese Bedingung wird erfüllt mit Hilfe von Kausativ- und Reflexivmarkierung:


kiagmi uksurpailegan, ayunek pit’lallruuq waten
kiag-mi uksur-paileg-an, ayut-nek pite-lar-llru-u-q waten
Sommer-LOC Winter.sein-PREC-3SG Tee-PL.ABL sammeln-habituell-PST-IND.INTR-3SG auf_diese_Art
amllerivkenaki qillertagluki.
amller-i-vke-na-ki qillerte-aqe-lu-ki
viel.sein-machen-nicht-SBJV-REFL>3PL binden-habituell-SBJV-REFL>3PL

'Im Sommer, vor der Winterzeit, pflückte sie gewöhnlich Teeblätter. Sie band sie (die Blätter) so zusammen, dass es nicht viele waren.' wörtl.: 'sie band sie zusammen, sie machte, dass sie nicht viele (Blätter) waren' (anstatt intransitiv: 'es waren nicht viele')


Jacobson 1995:333

yuurtellruunga apa’urluqa tuqurraarcelluku.
yug-urte-llru-u-nga apalur-ka tuqu-rraar-cete-lu-ku
Person-werden-PST-IND.INTR-1SG Großvater-1SG>3SG.POSS sterben-vorher-lassen-SBJV-REFL>3SG
ich wurde geboren mein Großvater ich ließ ihn vorher sterben

'Ich wurde geboren, nachdem mein Großvater gestorben war.'


Weitere valenzerweiternde Derivationssuffixe:

-ni- 'behaupten; sagen, dass...,' -yuke- 'denken, dass,...'

  • -sqe- 'fordern, bitten, wollen'

Erweiterung eines intransitiven Stamms:

yungcarista-m tage-sqe-a-ten
Doktor-ERG gehen.hin-bitten-IND.TR-3SG>2SG
'Der Doktor bat dich, hinzugehen (zum Krankenhaus).'

Der intransitive Satz wäre hier einfach 'Du gehst.'

Erweiterung eines transitiven Stamms:

anngar-ma panig-minun atur-ute-sqe-a-i
älterer Bruder-1SG>3SG.POSS.ERG Tochter-3REFL.SG>3SG.ALL singen-für-fragen-IND.TR-3SG>3PL

'Mein älterer Bruder bat seine Tochter, für sie zu singen.' Der transitive Kontext wäre hier 'Seine Tochter singt für sie.'.

Applikativ

Es gibt zahlreiche Applikativsuffixe; ihre Funktion besteht darin, ein Absolutiv-Argument in den Kontext einzubringen.


Verwendung von –(u)te-

  • mit Kommunikationsverben
uumiku qalaruciiqamken
uumiku qalarte-ute-ciiqe-ar-mken
nächstes.Mal sprechen-mit-FUT-IND.TR-1SG>2SG
'Ich spreche später zu (mit) dir.'


  • Komitativ 'mit'
ellin ayag-ute-lu-a
3SG.ERG gehen-mit-SBJV-REFL>1SG

'Er nahm mich mit.' ('Er ging mit mir.')


  • Reziprok
anguyautellratni,...
anguyag-ute-tu-ller-atni
im.Krieg.kämpfen-miteinander-normalerweise-PST-3PL

'Als sie sich bekämpften.'

Beim reziproken Gebrauch des Suffixes -ute- wird die syntaktische Valenz nicht erweitert, die Konstruktion beleibt intransitiv. Jedoch wird hier die semantische Valenz des Verbs erhöht, anstatt einer Partei, die kämpfte, wird betont, dass es zwei Parteien gab, die sich gegenseitig bekämpften.


weitere Applikativsuffixe

  • -(u)teke- '[...] betreffend', 'bezüglich [...]'
  • -(u)cite- 'an Stelle', 'für [...]'


yuracitaa
yurar-cite-a-a
tanzen-an_Stelle_von-IND.TR-3SG>3SG

'Er tanzte an ihrer Stelle.'


Malefaktiv -(g)i-

In den folgenden Konstruktionen hat das Suffix -(g)i- die Funktion, zu betonen, dass die Handlung zum Nachteil eines mehr oder weniger Beteiligten geschieht. Auch hier ist die Valenzerweiterung semantischer Art.


tulukarug-lkug nere-i-ur-lkug-tu-r=am
Rabe-gemein essen-MAL-absichtlich-gemein-IND.INTR-3SG-EMPHATISCH

'Dieser Rabe isst absichtlich das Essen (welches für einen anderen bestimmt war).'

In Sätzen solcher Art ist der Benachteiligte überhaupt nicht vorhanden. Dennoch ist es eindeutig, dass sich die Handlung negativ auf ein (implizites) Objekt auswirkt.

  • Allgemein muss beachtet werden, dass Derivationssuffixe im Zentralalaska-Yup'ik verschiedene Funktionen haben, die sich vor allem aus der Kombination mit bestimmten Verben ergeben. Diese Kombinationen und Bedeutungen werden in vielen Fällen vorwiegend durch dem Sprachgebrauch bestimmt, weshalb die Funktionsweise der verschiedenen Suffixe nicht immer regelmäßig und explizit ist.


elagiuq avelnganek
elag-i-u-q avelngar-nek
graben-MAL-IND.INTR-3SG Maus-PL.ABL

'Er grub zum Nachteil der Mäuse.'

Literatur

  • R.M.W.Dixon & A.Y.Aikhenvald: Changing Valency. Cambridge University Press, 2000. (Marianne Mithun: Yup’ik)
  • Payne, Thomas: Exploring language structure: a students guide. Cambridge University Press, 2006.
  • Steven A.Jacobson & Anna W.Jacobson: A practical grammar of the Central Alaskan Yup’ik Eskimo language. Alaskan Native Language Center, Fairbanks, 1995.
  • Elsie Mather, Marie Meade, Osahito Miyaoka: Survey of Yup'ik grammar. ELPR, Kyoto, 2002.