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Analogien im russischen und deutschen Wortschatz

Definition

Analogien (aus dem Griechischen: Übereinstimmung, Entsprechung, Ähnlichkeit) sind Wörter, die in verschiedenen Sprachen eine gleiche Bedeutung und gleiche Aussprache haben.

Eigenschaften

Die Analogie ist eine etwas breitere Bezeichnung im Vergleich zu dem in der Linguistik existierenden Terminus „Germanismen“ bzw. Entlehnung aus dem Deutschen in die russische Sprache. Denn diese Termini berücksichtigen die lateinische Transkription der russischen Wörter nicht. Aber die lateinische Transkription ist ein wichtiges Element, das russische und deutsche Analogien verbindet. Die Lateinschrift bzw. die Transkription (unter Verwendung diakritischer Zeichen auch Transliteration) ist eine Umwandlung der kyrillischen Buchstaben in lateinische, die dem deutschen und russischen Benutzer leicht verständlich sind. Es ist besser die Rechtschreibung und die Lateinschrift nach dem Duden wiederzugegeben, weil diese Transkription die bekannteste ist und der Unterschied zwischen Duden und wissenschaftlicher Transliteration oder IPA sowieso geringfügig (3-5%) bzw. für die Aussprache der Studierenden nicht ausschlaggebend ist. Unter den deutschen Wörtern werden auch die Fremdwörter verstanden, die meistens aus dem Lateinischen, dem Griechischen und Französischen in die deutsche Sprache Eingang fanden und – aus Deutschland nach Russland kommend – so in die russische Sprache integriert wurden.

Stand der Forschung

Analogien stellen dem Sprachwissenschaftler eine Fundgrube zur Verfügung, um die geschichtliche Entwicklung der beiden Sprachen Russisch und Deutsch zu untersuchen. Wieso wurden viele Tausende von deutschen Wörtern vollkommen und andere unvollkommen in die russische Sprache übernommen? Wie und wann hat die Russifizierung dieser und jener deutschen Wörter stattgefunden? Jede Sprache hat bekanntlich viele Fremdwörter in seinem Wortschatz. Denken Sie an „kindergarten“ und „sauerkraut“ im Englischen. Aber die Zahl macht den Unterschied. Im Englischen wurden nur wenige deutsche Wörter vollkommen entlehnt, im Russischen dagegen mehrere Tausend, obwohl die Zahl der deutschen Einwanderer in den USA und im zaristischen Russland vergleichbar war. Die Anzahl der übernommenen deutschen Wörter ins Russische ist im Vergleich zu anderen eingebürgerten Fremdwörtern in die russische Sprache gewaltig und einmalig. Sprachwissenschaftlich sind Entlehnungen aus dem Deutschen nicht ausreichend untersucht. Bekannt sind zurzeit nur wenige Publikatione darüber.

Vollkommene, unvollkommene und scheinbare Analogien

Die vollkommenen Analogien

Stimmen Bedeutung und Lateinschrift der russischen Analogien mit der Rechtschreibung (Orthografie) der deutschen sowie die Aussprache der deutschen und russischen Wörter hundertprozentig überein, dann nennt man diese Übereinstimmung die vollkommene Analogie.

Die unvollkommenen Analogien

Eine unvollkommene Analogie bedeutet, dass die Rechtschreibung und die Aussprache eines deutschen Wortes gegenüber der Aussprache und der lateinischen Umschrift der russischen Analogien bei gleicher Bedeutung geringfügige Abweichungen aufweisen. Sie beruhen auf einigen Anpassungen, die bei der Russifizierung der deutschen Wörter und Fremdwörter, die aus Deutschland nach Russland kamen, im Laufe der Zeit vorgenommen wurden.

Die scheinbaren Analogien

Eine scheinbare Analogie ist, wenn Bedeutung, Aussprache und lateinische Schrift eines deutschen Wortes mit dem russischen Wort nicht übereinstimmen, obwohl das deutsche Wort einem russischen ähnelt und falsche Assoziationen hervorrufen kann.

Die Bazi-Regeln

Viele vollkommene Analogien und einige unvollkommene Analogien wurden aus dem Deutschen ins Russische nicht chaotisch, sondern geordnet und gruppenweise aus verschiedenen Sachgebieten übernommen: Handwerk, Technik, Bergbau, Verwaltungswesen, Militärwesen, Bildungswesen, Wissenschaft, Philosophie, Medizin, Kultur- und Gesellschaftsleben. Dementsprechend hat man mit übernommenen Begriffen, Sachverhalten und Gegenständen auch ihre Bezeichnungen auf Deutsch übernommen bzw. in die russische Sprache entlehnt. Eine genaue zeitliche Reihenfolge und insbesondere die jeweilige Auswahl der deutschen Wörter für die Aufnahme in die russische Sprache lassen sich zur Zeit nur bedingt nachweisen. „Bazi“ wurde vom Namen des Verfassers vom Wörterbuch der Analogien im russischen und deutschen Wortschatz Baziyan hergeleitet. Es bedeutet laut Duden (in Süddeutschland und Österreich scherzhaft) auch „durchtriebener Mensch“, „Schlingel“. In Anlehnung an den Duden heißt es: Schlau Russisch lernen. Dem Autor des Wörterbuchs ist es gelungen, aus bestimmten Regelmäßigkeiten der Russifizierung einige Regeln, also Bazi-Regeln, abzuleiten.

Die Bazi-Regeln besagen

I. Wenn sich die Benutzer des Wörterbuchs nur bestimmte deutsche Suffixe (Nachsilben) merken, können sie die ganzen Wörter aus dem Deutschen ins Russische übersetzen bzw. die Wortart, die Lateinschrift und die Aussprache vieler russischer Substantive, Verben und Adjektive erkennen. Bei den Substantiven lässt sich auch das Genus (grammatisches Geschlecht) bestimmen.

II. Wenn sich die Benutzer des Wörterbuchs bestimmte russische Suffixe und Endungen merken, können sie die russischen Wörter ins Deutsche übersetzen und bei den Substantiven auch das Genus identifizieren.

III. Ein Bindeglied bei den Bazi-Regeln ist die Lateinschrift der russischen Wörter. Mithilfe einer Umwandlungstabelle lassen sich die russischen Wörter problemlos in die Lateinschrift und umgekehrt umwandeln.

Deswegen brauchen die Benutzer des Wörterbuchs zur Erweiterung ihres Wortschatzes keine ganzen Wörter auswendig zu lernen. Bei vielen vollkommenen Analogien reicht es, sich nur die entsprechenden Suffixe zu merken. Bei unvollkommenen Analogien sollten sich die Benutzer, zusammen mit den Suffixen und Endungen, auch Arten der Wortbildung einprägen: ergänzen, ersetzen oder weglassen.

Herkunft

Analogien im russischen und deutschen Wortschatz sind ein historisches Dokument deutscher Präsenz in Russland. Die ersten deutschen Wörter wurden urkundlich erwähnt, als die ersten deutschen Niederlassungen in der Zeit von Iwan IV., dem Schrecklichen (1533–1584), entstanden. Seit Peter I., dem Großen, und Katharina II., der Großen, folgten die russischen Zaren einer Politik der gezielten Anwerbung deutscher Fachkräfte, um die Modernisierung und Kolonisierung des Russischen Reichs voranzutreiben. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs lebten etwa zweieinhalb Millionen deutsche Einwanderer im Zarenreich. Mit den Deutschen sind deutsche Wörter sowie auch andere Fremdwörter, die ursprünglich meistens aus dem Griechischen und Lateinischen stammten, nach Russland gekommen und wurden in die russische Sprache übernommen. Mehrere Tausend dieser Wörter wurden vollkommen in die russische Sprache entlehnt (die vollkommene Analogien), mehrere Tausend wurden teilweise russifiziert (die unvollkommenen Analogien), und einige wenige davon erhielten eine andere Bedeutung (scheinbare Analogien).