Difference between revisions of "Unikales Morphem"

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Ein '''unikales Morphem''' ist ein [[Morphem]], das nur in Kombination mit einem einzigen anderen Morphem zusammen auftritt und also weder allein wortfähig ist noch mit beliebigen anderen Morphemen kombiniert werden kann. Es ist damit auch immer ein [[gebundenes Morphem]].
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Ein '''unikales Morphem''' tritt nur  in Kombination mit einem bestimmten [[Wortstamm|Stammmorphem]] zusammen als [[gebundenes Morphem]] auf. Es ist nicht wortfähig oder reihenbildend. Obwohl es sich um [[gebundenes Morphem|gebundene Morpheme]] handelt, sind unikale Morpheme keine grammatischen, sondern [[lexikalisches Morphem|lexikalische Morpheme]]. Als [[Wortbildung|Wortbildungskonstituente]] tragen sie eine eigenständige lexikalische Bedeutung (so determiniert ''Brom-'' in ''Brombeere'' den [[Wortstamm|Stamm]] ''Beere'' näher, es handelt sich um eine bestimmte Art von Beere). Unikale Morpheme können auch als nicht mehr semantisch transparente [[Derivation|Derivationsbasen]] auftreten, z.B. ''scheuß-'' in ''scheußlich''. Ihr eigenständiger lexikalischer Status lässt sich nur kontrastiv zu anderen [[Wortbildung|Wortbildungselementen]] ermitteln, da er synchron nicht mehr sichtbar ist. Dies führt auch dazu, dass unikale Morpheme teilweise nicht segmentiert werden und die Kategorie verworfen wird. Unikale Morpheme bilden damit neben [[Konfix|Konfixen]] einen Problembereich der Morphemanalyse.  
  
 
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Man kommt dadurch zu unikalen Morphemen, dass man Wörter segmentiert und dabei "Reste" übrig behält, die man bei der Segmentierung anderer Wörter nicht gewinnen kann. Standardbeispiele für diesen Fall sind Wörter wie "Brom-beere", "Him-beere", "Lind-wurm", "Schorn-stein", bei denen klar ist, dass man die jeweils zweite Konstituente abtrennen kann, da diese mit gleicher oder wenigstens ähnlicher Bedeutung als Wort oder auch in Kombination mit anderen Morphemen vorkommen. Die "Reste" dieser Segmentierungen, "Brom-", "Him-", "Lind-" und "Schorn-", müssen dann aber auch den Status von Morphemen haben. Erst durch Klassifikation ist deutlich, dass "Lind-" in "Lindwurm" von dem Adjektiv "lind" zu unterscheiden ist. Weitere Beispiele für unikale Morpheme: "-letz-" in "ver-letz-en", "-lier-" in "ver-lier-en". Womöglich gehört auch "-winn-" in "ge-winn-en" dazu; dies entscheidet sich dann, wenn man man eine Segmentierung in "ge-winn-" für vertretbar hält.
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Unikale Morpheme treten in Wörtern in Erscheinung, bei deren Segmentierung [[Morphem|Morpheme]] 'übrig bleiben'. Diese tragen eine eigenständige lexikalische Bedeutung, die aber in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zu ermitteln ist. Beispiele für unikale Morpheme im Deutschen sind unter anderem
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*'''''Him'''''-''beere''
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*'''''Lind'''''-''wurm''
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*''Un''-'''''flat'''''
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Im Deutschen sind unikale Morpheme als Bestandteile von [[Verb|Verben]] deutlich seltener als bei [[Substantiv|Substantiven]].  
  
 
===Synonyme===
 
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*[[Pseudomorphem]]
 
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*[[Quasimorphem]]
 
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*[[cranberry morpheme]]
  
 
===Literatur===
 
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*[[Bußmann, Hadumod]]. 2002. ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Kröner.  
 
*[[Bußmann, Hadumod]]. 2002. ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Kröner.  
 
*''Duden. Die Grammatik.'' 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005, S. 659.  
 
*''Duden. Die Grammatik.'' 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005, S. 659.  
*[[Glück, Helmut]] (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe. 2005. ''Metzler Lexikon Sprache.'' Dritte, neubearbeitete Auflage. Stuttgart/ Weimar: Metzler.  
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*Eins, Wieland. 2005. Unikales Morphem. In [[Glück, Helmut]] (Hrsg.) 2010. ''Metzler Lexikon Sprache.'' 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart/ Weimar: Metzler. S. 734.
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*Elsen, Hilke. 2014. ''Grundzüge der Morphologie des Deutschen''. 2., aktualisierte Auflage. Berlin/Boston: De Gruyter Studium.  
 
*[[Kürschner, Wilfried]]. ''Grammatisches Kompendium. Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe.'' 3., verm. und bearb. Aufl. Francke, Tübingen/Basel 1997, S. 83f.
 
*[[Kürschner, Wilfried]]. ''Grammatisches Kompendium. Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe.'' 3., verm. und bearb. Aufl. Francke, Tübingen/Basel 1997, S. 83f.
  

Latest revision as of 10:57, 22 December 2016

Ein unikales Morphem tritt nur in Kombination mit einem bestimmten Stammmorphem zusammen als gebundenes Morphem auf. Es ist nicht wortfähig oder reihenbildend. Obwohl es sich um gebundene Morpheme handelt, sind unikale Morpheme keine grammatischen, sondern lexikalische Morpheme. Als Wortbildungskonstituente tragen sie eine eigenständige lexikalische Bedeutung (so determiniert Brom- in Brombeere den Stamm Beere näher, es handelt sich um eine bestimmte Art von Beere). Unikale Morpheme können auch als nicht mehr semantisch transparente Derivationsbasen auftreten, z.B. scheuß- in scheußlich. Ihr eigenständiger lexikalischer Status lässt sich nur kontrastiv zu anderen Wortbildungselementen ermitteln, da er synchron nicht mehr sichtbar ist. Dies führt auch dazu, dass unikale Morpheme teilweise nicht segmentiert werden und die Kategorie verworfen wird. Unikale Morpheme bilden damit neben Konfixen einen Problembereich der Morphemanalyse.

Beispiele

Unikale Morpheme treten in Wörtern in Erscheinung, bei deren Segmentierung Morpheme 'übrig bleiben'. Diese tragen eine eigenständige lexikalische Bedeutung, die aber in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zu ermitteln ist. Beispiele für unikale Morpheme im Deutschen sind unter anderem

  • Him-beere
  • Lind-wurm
  • Schorn-stein
  • Un-flat
  • ver-lier-en

Im Deutschen sind unikale Morpheme als Bestandteile von Verben deutlich seltener als bei Substantiven.

Synonyme

Literatur

  • Bußmann, Hadumod. 2002. Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Kröner.
  • Duden. Die Grammatik. 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005, S. 659.
  • Eins, Wieland. 2005. Unikales Morphem. In Glück, Helmut (Hrsg.) 2010. Metzler Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart/ Weimar: Metzler. S. 734.
  • Elsen, Hilke. 2014. Grundzüge der Morphologie des Deutschen. 2., aktualisierte Auflage. Berlin/Boston: De Gruyter Studium.
  • Kürschner, Wilfried. Grammatisches Kompendium. Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe. 3., verm. und bearb. Aufl. Francke, Tübingen/Basel 1997, S. 83f.

Andere Sprachen

englisch unique morpheme