Arabismus

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Contents

Begriff

Wörter arabischer Herkunft im deutschen Sprachgebrauch

  • ca. 350 Wörter im Deutschen werden als Arabismen betrachtet


Direkte Entlehnung

nur sehr begrenzte Anzahl direkter Entlehnungen vom Arabischen ins Deutsche

  • Grund hierfür ist das Fehlen von engen und dauerhaften Kontakten zwischen Arabern und Deutschen.

Seit 1871 hatte Deutschland zwar intensivere Beziehungen zum Vorderen Orient, aber Kultur und Sprache der Araber waren zu dieser Zeit nicht mehr auf dem Gipfel, als dass sie noch Einfluss hätten ausüben können.

Bsp. Scheich, Kadi, Fakir, Haschisch


Indirekte Entlehnung

Über sog. Vermittlersprachen wurde der überwiegende Teil der heute verbreiteten Arabismen im Laufe des Mittelalters entlehnt. (Voraussetzungen dafür wurden durch die arabische Expansion im Mittelmeer, Handelsbeziehungen und durch die Kreuzzüge geschaffen.)


  • Latein

Es wurden keine philosophischen Ausdrücke entlehnt, sondern überwiegend Konkreta.Infolge sprachpuristischer Bestrebungen der Humanisten verschwanden viele Arabismen aus der lateinischen Fachliteratur, geblieben sind nur Bezeichnungen für neue Substanzen oder Neuerungen in der Wissenschaft.

Bsp. Amalgam, Elixier, Algorithmus, Ziffer


  • Französisch

Zunächst kaum direkte Entlehnungen aus dem Arabischen, sondern über z.B. Italienisch (= dominierende Handelsmacht) ins Altfranzösische entlehnt; später im 18./19. Jhd. auf Grund französischer Forschungsreisen sowie französischer Besatzung Nordafrikas zunehmend direkte Entlehnungen. (Französisch ist die wichtigste Vermittlersprache, ein Großteil der Arabismen im Deutschen wurde über das Französische entlehnt.)

Bsp. Limonade, Karaffe, Razzia, Tarif


  • Italienisch

Hauptentlehnungsweg ist der Handel, dies gilt sowohl für arabisch-italienische als auch italienisch-deutsche Kontakte (diverse Produktnamen und Handelsterminologien wurden entlehnt).

Bsp. Baldachin, Benzin, Marzipan, Zucker, Lack


  • Spanisch

Sprachkontakt und Entlehnung entstanden durch arabische Eroberung der Iberoromania, hat am meisten Arabismen aufgenommen (hauptsächlich zwischen dem 9. und 13. Jhd.). Nur geringe Vermittlung auf Grund mangelnden Kontakts der deutschen und spanischen Sprachgemeinschaft und geografischer Entfernung (Entlehnung durch Handelsbeziehungen, Allianz mit Habsburgern, im 18./19. Jhd. auch durch direkte Kontakte).

Bsp. Risiko, Jasmin, Gitarre, Alhambra


  • Niederländisch

Das Niederländische selbst hat keine direkten Entlehnungen aus dem Arabischen, ist also nur eine tertiäre Vermittlersprache (Arabismen wurden aus dem Französischen entlehnt, betreffen hauptsächlich Handel und Marine).

Bsp. Aprikose, Almanach, Kattun, kalfatern


Literatur

Littmann, E.: Morgenländische Wörter im Deutschen. Tübingen 1924.

Osman, N.: Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. München 2002.

Tazi, R.: Arabismen im Deutschen. Transferenzen vom Arabischen ins Deutsche. Berlin/New York 1998.